Skip to main content

Mobbing in der Klasse erkennen und handeln: Ein Leitfaden für Lehrkräfte

Wie erkennst du Mobbing in deiner Klasse und was hilft betroffenen Schüler·innen? Zwei anonyme Edkimo Umfragen helfen dir, Hinweise auf Mobbing zu verstehen, Unterstützung zu planen und vorbeugend mit der Klasse ins Gespräch zu kommen.

Leo Posted by Leo in Blog 5 min

Illustration zu Mobbing in der Klasse: Anonyme Antwortkarten und ein Stift auf einem Klassentisch.
Anonyme Umfragen helfen dir, bei Mobbing in der Klasse genauer hinzuhören.

Warum Mobbing ein Thema für Lernen und Unterricht ist

Mobbing beginnt, wenn Schüler·innen über längere Zeit gezielt ausgegrenzt, beleidigt oder bloßgestellt werden und sich kaum dagegen wehren können. Für die Betroffenen bedeutet das oft Stress, Unsicherheit und das Gefühl, allein zu sein. Im Unterricht können sie sich schlechter konzentrieren, beteiligen sich weniger und verlieren leichter das Gefühl, in ihrer Klasse dazuzugehören.

Die Ergebnisse aktueller Studien sind ein Warnsignal. Im Deutschen Schulbarometer berichten 30 Prozent der befragten 11- bis 17-Jährigen, mindestens einmal im Monat von Mitschüler·innen schikaniert zu werden (S. 14). In PISA 2025 geben 14 Prozent der 15-Jährigen an, dass andere Schüler·innen wiederholt gemeine Gerüchte über sie verbreitet haben (S. 154). Insgesamt berichten Jugendliche in Deutschland häufiger von Mobbingerfahrungen als im Durchschnitt der OECD- und EU-Länder. PISA zeigt außerdem: Schüler·innen, die häufiger Mobbing erleben, erzielen im Durchschnitt niedrigere Leistungen. Die Studie macht deutlich, wie eng Wohlbefinden, Zugehörigkeit und Lernen zusammenhängen.

Dieser Artikel stellt dir zwei Umfragen vor. Die erste hilft dir, bei einem konkreten Verdacht genauer hinzuhören. Mit der zweiten kannst du das Thema vorbeugend mit deiner Klasse besprechen. Durch klick auf den jeweiligen Button kannst du die Umfrage direkt online öffnen und verwenden.

Welche Umfrage passt zu deiner Situation?

Du vermutest, dass Schüler·innen in deiner Klasse Mobbing erleben?

Mit der Erfahrungsumfrage erfährst du, wie sicher sich die Schüler·innen fühlen, welche verletzenden Situationen sie erleben oder beobachten und ob sie Unterstützung erwarten können.

„Miteinander in unserer Klasse“

Du möchtest Mobbing vorbeugen und das Thema im Unterricht besprechen?

Mit der Vorwissensumfrage findest du heraus, was deine Schüler·innen bereits über Mobbing wissen und bei welchen Fragen noch Gesprächsbedarf besteht.

„Was weißt du über Mobbing?“

Beide Vorlagen kannst du einfach online an die Bedürfnisse deiner Schüler·innen und die Situation in deiner Klasse anpassen.

1. Was tun, wenn du Mobbing in deiner Klasse vermutest?

Mobbing bleibt Lehrkräften häufig verborgen. Betroffene Schüler·innen sprechen aus Angst, Scham oder Sorge vor weiteren Angriffen oft nicht von sich aus darüber. Um sie unterstützen zu können, musst du deshalb genau hinhören und auch auf leise Hinweise achten.

Die Umfrage „Miteinander in unserer Klasse“ wird anonym beantwortet. Schüler·innen müssen ihren Namen nicht nennen und werden gebeten, keine Personen oder Situationen so genau zu beschreiben, dass jemand erkannt werden kann.

Sie können sagen, ob sie sich in ihrer Klasse sicher und zugehörig fühlen und welche Formen von Ausgrenzung, Beleidigung oder Gewalt sie selbst erlebt haben. Die Umfrage fragt auch, wie oft und seit wann das passiert, wo solche Situationen vorkommen, wie stark sie belasten und ob Betroffene ihnen ausweichen können.

Ein weiterer Teil richtet den Blick auf das, was Schüler·innen bei anderen mitbekommen. Ihre Antworten helfen dir zu erkennen, wie Mitschüler·innen und Erwachsene auf solche Situationen reagieren, ob Betroffene Unterstützung erwarten können und ob die Schüler·innen eine erwachsene Ansprechperson an ihrer Schule kennen.

Ergänze vor dem Start eine konkrete Ansprechperson mit einer Kontaktmöglichkeit. Auf eine anonyme Antwort kannst du nicht persönlich reagieren. Schüler·innen sollten deshalb wissen, an wen sie sich wenden können, wenn sie Unterstützung möchten.

Wie kannst du die Umfrage auswerten?

Aus den Ergebnissen kannst du konkrete Veränderungen ableiten. Du kannst Ansprechpersonen und Hilfsangebote erklären, die Aufsicht an häufig genannten Orten verstärken oder mit der Klasse vereinbaren, wie Schüler·innen reagieren können, wenn sie Ausgrenzung oder Angriffe beobachten.

Besprich mit der Klasse nur zusammengefasste Ergebnisse. Lies keine persönlichen Freitextantworten vor und fordere die Schüler·innen nicht dazu auf, Vermutungen über betroffene Personen anzustellen.

Wenn du die Ergebnisse mit der Klasse teilst, kannst du die Freitextantworten ausblenden. Öffne dazu bei der Freitextfrage das Menü „Mehr“ und schalte die Option „In freigegebenen Ergebnissen anzeigen“ aus. Die Antworten werden in den freigegebenen Ergebnissen dann nur als Sternchen angezeigt.

Edkimo Ergebnisansicht einer Freitextfrage mit als Sternchen ausgeblendeten Antworten und deaktivierter Option „In freigegebenen Ergebnissen anzeigen“.

Was tun bei Hinweisen auf einen konkreten Fall?

Wenn du den Eindruck hast, dass ein·e Schüler·in gemobbt wird, suche ein vertrauliches Gespräch. Schildere zuerst ruhig und möglichst konkret, was du beobachtet hast und warum du dir Sorgen machst. Frage dann behutsam, wie die betroffene Person die Situation erlebt und was sie sich jetzt wünscht.

Erkläre, dass du mit dem Gespräch vertraulich umgehst. Sprich zugleich offen darüber, dass du weitere Personen einbeziehen musst, wenn Schutz oder Unterstützung es erfordern. Besprich die nächsten Schritte möglichst vorher mit der betroffenen Person und nimm ihre Wünsche ernst.

Ein Gespräch über den konkreten Fall vor der ganzen Klasse kann den Druck erhöhen und weitere Angriffe auslösen. Beziehe deshalb frühzeitig Kolleg·innen, Schulsozialarbeit, Beratungslehrkräfte, Schulleitung oder Schulpsychologie ein. Bei akuter Gefahr oder schweren Übergriffen brauchst du schnell Unterstützung, auch wenn die betroffene Person einer Weitergabe zunächst nicht zustimmt.

Der Leitfaden des No Blame Approach für Gespräche mit betroffenen Schüler·innen hilft dir, das erste Gespräch vorzubereiten und zu führen.

Weitere Ansätze für die Intervention sind die Shared Concern Methode, die Farsta Methode und das Gegen Gewalt Konzept. Welcher Ansatz passt, sollte gemeinsam mit den zuständigen Fachkräften an der Schule entschieden werden.

2. Wie kannst du Mobbing vorbeugen und mit der Klasse besprechen?

Auch ohne konkreten Verdacht kannst du Mobbing zum Thema machen. Die Vorwissensumfrage „Was weißt du über Mobbing?“ eignet sich als Einstieg in eine Unterrichtseinheit, einen Projekttag oder die gemeinsame Arbeit an Klassenregeln.

Die Antworten helfen dir zu erkennen, was deine Schüler·innen bereits wissen und wo falsche Vorstellungen bestehen. Darauf kannst du das anschließende Gespräch oder deine Unterrichtsplanung abstimmen.

Eine wichtige Unterscheidung betrifft Streit und Mobbing. Bei einem Streit können sich die Beteiligten grundsätzlich auf Augenhöhe begegnen. Bei Mobbing wird eine Person wiederholt angegriffen oder ausgegrenzt und kann sich kaum aus eigener Kraft aus der Situation lösen.

Besprich mit der Klasse außerdem, wie Mobbing aussehen kann, welche Rolle Beobachtende spielen und an wen sich Betroffene wenden können. So entsteht ein gemeinsames Verständnis davon, welche Verhaltensweisen verletzend sind und wie Schüler·innen einander unterstützen können.

Für die anschließende Arbeit im Unterricht bieten die Themenblätter der Bundeszentrale für politische Bildung Fallbeispiele, Arbeitsaufträge und Hinweise für Lehrkräfte. Die Handreichung „Cyber Mobbing erkennen, reagieren, stoppen“ von klicksafe enthält Erklärungen in einfacher Sprache, Unterrichtsideen und Hilfen für den Umgang mit Cybermobbing.

Nach einer Unterrichtseinheit oder einer Intervention kannst du die Erfahrungsumfrage erneut einsetzen. So erfährst du, ob sich das Sicherheitsgefühl verändert hat und ob die Schüler·innen inzwischen besser wissen, wo sie Unterstützung finden.