Chaz Hutton ist ein australischer Illustrator und Cartoonist. Bekannt wurde er mit einfachen, pointierten Zeichnungen über Alltag, Arbeit und die kleinen Absurditäten des Lebens. Mit seinen unverwechselbaren Comics schafft er es, Frustrationen und menschliche Eigenheiten auf eine Weise darzustellen, die gleichzeitig lustig und erstaunlich nahbar ist. Auf Instagram kannst du seine Arbeit begleiten.
Für Edkimo hat Chaz einen Comic über Lernen und Feedback gestaltet. Eine Erinnerung daran, dass Feedback entscheidend ist, um besser zu werden, egal ob beim Kochen, Bauen oder Unterrichten. Wir haben mit ihm darüber gesprochen, wie es ist, in einer Lehrerfamilie aufzuwachsen, warum Humor in der Bildung so gut funktioniert und welche Rolle Feedback für Kreativität und Lernen spielt.
Du kommst aus einer Familie von Lehrkräften. Was ist eine typische Lehrer-Frustration, die du dein ganzes Leben lang mitbekommen hast?
Chaz Hutton:
Oft sind nicht die Kinder die größte Herausforderung, sondern die Eltern. Elterngespräche und solche Dinge. Das ist wahrscheinlich das, was ich am häufigsten gehört habe. Eltern, die sich beschweren oder unzufrieden damit sind, wie sich ihr Kind entwickelt, während die Lehrkraft denkt: „Eigentlich verbringe ich mit deinem Kind mehr Zeit als mit jedem anderen, und trotzdem braucht es noch mehr Aufmerksamkeit und macht trotzdem keine größeren Fortschritte.“ Natürlich will man nicht sagen: „Dein Kind ist ein Idiot“. Aber genau diese Art von Frustration gibt es definitiv.
Auf der anderen Seite ist meine Schwester zum Beispiel eine fantastische Lehrerin. Sie ist wirklich großartig. Und ich muss immer ein bisschen lachen, dass sie im Grunde immer noch Schulferien hat. Es gibt kaum einen anderen Beruf, in dem man noch lange nach der eigenen Schulzeit weiter Schulferien genießen kann. Viele Leute haben dieses Klischee, dass Lehrkräfte so viel Freizeit hätten. Dabei machen sie oft einen großen Teil ihrer Arbeit auch in den Ferien. Aber ganz ehrlich: Wenn man unterrichtet, hat man sich diese Zeit auch verdient. Es ist nicht so, dass man mal einen ruhigen Tag haben und einfach so tun kann, als würde man arbeiten. Man hat ein Klassenzimmer voller Schülerinnen und Schüler und arbeitet die ganze Zeit.
Warum funktioniert Humor deiner Meinung nach besonders gut im Bildungsbereich?
Chaz Hutton:
Ich glaube, weil Humor Aufmerksamkeit schafft. Wenn etwas lustig ist, hören Menschen zu. Humor als Lernhilfe funktioniert unglaublich gut. Ich erinnere mich bis heute an die Lehrerinnen und Lehrer, die lustig waren. An die langweiligen kann ich mich ehrlich gesagt kaum erinnern. Die lustigen Lehrkräfte haben etwas geschaffen, in dem man gerne gelernt hat. Und ich glaube, der einfachste Weg, Menschen zu erreichen, ist, sie zu unterhalten. Humor ist dabei ein wichtiger Faktor.
Ich erinnere mich auch an diejenigen, die einen Eindruck hinterlassen haben, weil sie lustig oder besonders clever waren. Vor Kurzem habe ich ein Instagram-Karussell über die Reise von der Erde zum Mond gemacht. Es ging einfach darum zu zeigen, wie weit der Mond entfernt ist, mit kleinen Fakten und Details zum Durchscrollen. Ich war überrascht, wie viele Schulen und Wissenschaftler sich gemeldet haben und gefragt haben, ob sie das als Unterrichtsmaterial verwenden dürfen. Eigentlich habe ich das nur gemacht, weil ich es spannend und unterhaltsam fand. Ich habe es nie als Lehrmaterial betrachtet. Deshalb habe ich das Gefühl, dass ich da irgendwie schon ein bisschen in diese Welt hineingerutscht bin. Das war unerwartet, aber sehr schön.
Was haben Schulen und Arbeitsplätze gemeinsam, wenn es um Feedbackkultur geht?
Chaz Hutton:
Regelmäßiges Feedback ist immer hilfreich. So arbeite ich inzwischen auch selbst. Ich mache etwas, schaue später noch einmal darauf, ändere Dinge und gehe immer wieder hin und her. Dieser Kreislauf aus Ausprobieren und Feedback ist wahrscheinlich das, womit ich mich am meisten identifizieren kann. Und ich glaube, alles ist besser als Situationen, in denen es überhaupt kein Feedback gibt und alles nur in eine Richtung läuft.
Du machst aus alltäglichen Frustrationen etwas Lustiges. Was macht Frustration eigentlich lustig?
Chaz Hutton:
Ich glaube gar nicht, dass Frustration lustig wird. Sie bleibt Frustration. Aber sie fühlt sich leichter an, wenn man merkt, dass man nicht der Einzige ist, der so empfindet. Das liebe ich an Comics. Oft glauben Menschen, dass eine bestimmte kleine Eigenheit oder Frustration nur ihnen passiert. Und dann sehen sie einen Comic und denken: „Oh mein Gott, ich dachte, das geht nur mir so.“ Das ist etwas sehr Menschliches. Dinge werden lustig, weil man sich selbst darin wiedererkennt. Weil sie nachvollziehbar sind. Und wenn man dann die Kommentare und Gespräche unter einem Beitrag sieht, entsteht plötzlich ein Gefühl von Gemeinschaft. Man merkt: Wir kämpfen alle mit denselben kleinen Dingen. Deshalb ist Humor so kraftvoll.
Manchmal hilft es auch einfach, etwas als Bild zu sehen. Vielleicht hatte man dieses Gefühl schon lange, aber es war eher abstrakt. Und plötzlich sieht man es visualisiert und denkt: Ja, genau das ist es. Ich glaube, bei Stand-up-Comedy ist es ähnlich. Jemand beschreibt eine Situation mit einer lustigen Metapher und man denkt: „So habe ich das noch nie betrachtet.“ Mit Zeichnungen ist es genauso. Man schaut sie an und denkt: „Ah, jetzt verstehe ich es.“ Und das ist ein ziemlich schönes Gefühl.

Chaz Hutton hat für Edkimo einen Comic über Lernen und Feedback gestaltet.